Dienstag, 31. August 2010

Autobahn verboten

Viele Wege führen nach Rom

Da inzwischen schon die Askese vierwöchiger Internet- und Handy-Abstinenz als Thema für einen Bestseller ausreicht (Titel: „Ich bin dann mal off“), wird auch dies überraschen:  Es gibt eine Fortbewegung abseits der Autobahnen! Diese Erfahrung durfte ich heute machen – und sie war nicht einmal schmerzlich. Um 7:15 Uhr war Aufsitzen. Als ich Hamburg via Autobahn passiert hatte, hatte ich genug vom Highway. „to hell“ war er zwar nicht, aber die Turbulenzen, wenn ein LKW mich entweder überholte oder vor mir her fuhr, wurden mir schlicht zu viel.
Also bin ich bei Witzhave runter und habe dort meinem Navi die Option „Autobahn verbieten!“ eingetippt. Aus „Ankunftszeit 12:25“ wurde „14:35“ – egal. Letztlich wurde 16:45 daraus. Mein Problem: Ich musste ständig anhalten, um Fotos zu machen. Naja – und dann musste zwischendurch auch mal im Wechsel etwas für den Magen, die Lunge und die Blase getan werden. 
Aber es hat sich gelohnt. Man sollte sich viel häufiger die Zeit nehmen, über Land zu fahren. Kohl hatte doch recht: Es sind blühende Landschaften im Osten – auch wenn er es mit Blick auf seine Sicht der Dinge vermutlich bildlich und damit profaner gemeint hat. Mag Sarazin befürchten, dass Deutschland sich abschafft – die Landschaft wird sich über derartige Kleingeistigkeiten hinwegsetzen und bleiben. Manchmal genügt ein Blick über den Mahagony-Schreibtischrand, um die Dinge in einem anderen Rahmen zu sehen. Aber es ist ja zu hoffen, dass er diesen Schreibtisch bald nicht mehr haben wird.
Mit jedenfalls hat die Tour Lust auf mehr von Mecklenburg-Vorpommern gemacht. Apropos „Lust“: Ludwigslust mit seinem Barockschloss (vermutlich von irgendeinem der königlichen Ludwige) hätte ich mir gerne näher angeschaut. Aber der Roller – der rollt. Sogar durch Rom ist er gerollt, wie das Foto des Tages zeigt.
Pünktlich zur vom Navi nach jeder Foto-Pause korrigierten Ankunftsprognose traf ich in Waren – genauer an der hiesigen Jugendherberge ein. Die ist so frisch getüncht wie der ganze Ort. In Bezug auf die Herberge ist es mir sehr recht – in Bezug auf Waren nicht so. Es ist ein typischer Ferienort, der offenkundig Kohls Vision gefolgt ist. Auch wenn ich nicht weiß, wie er vorher ausgesehen hat, vermute ich, dass die neue Politur zu seinem Vorteil ist. Aber es fehlt halt die Patina.
Mir soll’s wurscht sein. Mich interessiert die Landschaft. Und der werde ich mich morgen widmen. Jetzt sitze ich in einem Kaffee gegenüber der Jugendherberge und stelle eine gewisse Müdigkeit fest. Daher will ich jetzt mal sehen, ob der Fernsehraum funktioniert. Bis morgen also…    

Sonntag, 29. August 2010

Die Tour beginnt einen Tag später

Nur eine Kurzmeldung: Ich fahre einen Tag später los. Das Wetter scheint erst am Dienstag langsam "rollergeeignet" zu werden. Ich bin ja zu Opfern bereit, aber den halben Tag durch den Regen fahren - das wäre für einen alten Mann wie mich doch nicht zumutbar. Meine Entscheidung erleichterte der Umstand, dass Sohn Max am 30.08. seinen 17. Geburtstag hat und wir den am Abend noch gemeinsam feiern wollen. Also: Der erste Reisetagesbericht erscheint am Dienstag-Abend. Vermutlich erst spät am Abend, da ich bis 21:00 Uhr mit der Kamera auf Kranich-Jagd sein werde. Bis dann also!

Dienstag, 24. August 2010

Der Teufel steckt im Detail

Eines der schlagenden Argumente, die mich zum Kauf meines Rollers bewogen, war die Existenz eines Steckers für mein Navi. Wie auch sollte ich mich sonst noch in diesem Land zurecht finden? Es ist mir unbegreiflich, wie die Pioniere der motorisierten Fortbewegung in - sagen wir mal - den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von A nach B gefunden haben. Wessen Aufwandes es aber bedurfte, das so mit Strom versorgte Navigationsgerät am Cockpit zu befestigen - diese Geschichte erzähle ich Euch nicht.

Stattdessen sei an dieser Stelle exemplarisch auf die historische Entwicklung eingegangen, die die Montage einer Fahrt-Kamera am Roller von der Planung bis zur Realisation nahm. Der geneigte Leser spare bitte nicht mit Bewunderung meiner mentalen Stärke, die mich vor dem Wahnsinn bewahrt hat. (Hat sie das wirklich?)

Vorüberlegungen - Präambel - Präludium - egal: 
Spare ich mir und Euch.

1. Versuch: Nach eingehender Beschäftigung mit der Problematik war ich zu dem Ergebnis gelangt, die Kamera mit einer Schiene an der Schraube zu befestigen, die auf der linken Seite des Rollers den Sturzbügel längs der Verkleidung hält. Am anderen Ende der Schiene sollte dann ein beweglicher Stativkopf die Kamera halten. (An dieser Stelle wäre die grafische Einbindung einer Explosions-Grafik von didaktischem Nutzen.) Es sollte für die Fahrtaufnahmen allerdings nicht meine eigentliche Kamera herhalten, sondern ein Uralt-Modell mit 2 Mega-Pixeln Auflösung, das Petra noch aus alten Kindergartenbeständen vorhielt. Eine erste Testfahrt schien erfolgreich zu verlaufen. Doch wer beschreibt meine Enttäuschung, als ich die Aufnahmen am PC betrachtete, die mich unwillkürlich an jenen kleinen Schritt für einen Menschen und großen für die Menschheit erinnerten - Ihr versteht.

2. Versuch: Nun musste doch meine gute Kamera ran. Doch dafür war die Schiene zu kurz. Das voluminöse Teil passte nicht zwischen Stativkopf und Rollerverkleidung. Also musste eine längere Schiene angeschafft werden. Unnötig zu erwähnen, dass das jedes Mal die Fahrt zum nächstgelegenen Baumarkt in etwa 10 Kilometern Entfernung erforderte. Die zweite Testfahrt war ernüchternd. Bereits nach etwa 200 Metern hing die Kamera in der Senkrechten. Der Hebel war zu groß, die Kamera zu schwer, die Schraube (also nicht meine!) zu locker - wie auch immer. Klassischer Fall von "Geht nicht!" Es sollte sich herausstellen, dass es nicht an der Schraube lag, die zu kurz war, sondern an dem Plastikgewinde, das ja eigentlich nur einen leichten Metallbügel halten sollte. Dieses Gewinde war - sagen wir einmal - völlig ausgelutscht.

Die diversen Zwischenstadien, in denen ich abenteuerliche Konstruktionen entwickelte, um die Schiene im Ernstfall in der Waagerechten zu halten, will ich hier überspringen.

Zwischenstand oder "Fassen wir zusammen": Die Uralt-Kamera war qualitativ unzureichend. Und die Befestigung an der linken Seite des Rollers infolge der langwierigen Testreihen - wie sagte ich? - ausgelutscht. Wat nu?

3. Versuch: Erster Teil der Lösung. Die rechte Seite des Rollers war noch nicht in Anspruch genommen worden. Zweiter Teil der Lösung. Mein Freund in allen Lebenslagen - Hartmut - hatte noch in irgendeiner Schublade eine Kamera, die mit gigantischen 5 Megapixeln bestach. Das Problem: Das Stativgewinde an der Kamera war ganz rechts und das Objektiv ganz links, was zur Folge hatte, dass ich allenfalls Aufnahmen von meinem rechten Fuß machen konnte, aber nicht von der Aussicht nach vorne. (Spätestens an dieser Stelle wäre eine Explosionszeichnung meiner Person aufschlussreich.)

Letzter Versuch: Müßiges Beginnen, Euch zu erklären welche Schraube an welcher Stelle der Rollerverkleidung noch geeignet war, um daran eine Schiene zu montieren, an deren Ende eine Kamera mittels eines alten Stativkopfes ... Kurzum: Es fand sich eine Stelle. Auf zur nächsten Testfahrt! Zurück am PC, starre ich wie die Maus auf die Schlange den Monitor an, klicke auf den Movie-Pfeil und staune nicht schlecht: Die  Kamera hatte doch wahrhaftig den langen Weg des Rollers vom Gehsteig über die Regenrinne bis zur Fahrbahn dokumentiert. Dann brach das Bild zusammen - und danach ich. Die Ursache: Die Kamera meines Freundes Hartmut enthielt eine Chipkarte, die in etwa das Format und das Datenfassungsvermögen jener Steinplatten hatte, die weiland Moses vom Berg herabgeschleppt hatte.

Allerletzter Versuch: Gang zum Media-Markt. Ich bin doch nicht blöd! Dort teilte mir der geduldige Verkäufer, der offenbar begierig war, meine gesamte bisherige Leidensgeschichte zu hören, mit, dass es für dieses Modell inzwischen keine Chipkarten mehr gibt, ich aber einen Adapter erwerben könne, in den man dann einen Chip des 21. Jahrhunderts einfügen kann. Kostenpunkt: 32 Euro. Allein: Ob die Kamera in der Lage sei, den neuen Chip zu erkennen, sei bestenfalls unwahrscheinlich. Flugs hatte er aber eine kleine, kompakte Digitalkamera in der Hand, 12,2 Megapixel - 55 Euro. Was soll ich Euch sagen? Ich habe das Teil gekauft.

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Nun werden die Besucher meines Reiseberichts in den Genuss von mindestens 30 Sekunden spannungsgeladener Fahrtaufnahmen kommen. Da sage noch einer, die Mühe habe sich nicht gelohnt.

Enerviert - Euer girolamo

Nachtrag - Post scriptum - "Zum guten Schluss" - egal: 
Ich hätte Euch gerne ein Detailfoto - nein, nicht vom Teufel - sondern von der Halterungskonstruktion gezeigt. Doch bei der letzten Testfahrt habe ich mir einen Nagel in den Hinterreifen gefahren. Nun wartet der Reifendienst auf den passenden Pneu. Wir alle hoffen, dass das Schiff aus Japan bereits europäische Gewässer erreicht hat.

Soll ich Euch nun noch die Geschichte von der Halterung meines Navis erzählen? Ich lasse es lieber.

Sonntag, 8. August 2010

Auf ein Neues!

Die Idee "girolamo" trage ich schon einige Jahre mit mir herum. Ich war auch schon ganz nah' dran, doch bei der Recherche zu meiner zweiten Story (Mit dem Kanu durch das Oldenburger Land) bin ich mit meiner Kamera im Wortsinne "abgesoffen". Ich habe es überlebt - meine Kamera nicht. Und damit schien "girolamo" auch gestorben zu sein. Jetzt aber unternehme ich einen neuen Anlauf. Mit kleinerer aber vielseitigerer Kamera, neuer PC-Technik und neuem Mut. Den brauche ich auch, denn in Kürze geht es mit meinem Roller los in Richtung Mecklenburgische Seenplatte. Dabei habe ich nur ein Zelt und die nötige Technik, also auch ein via UMTS am Web hängenden Netbook. So werde ich ab dem 30. August täglich über meine Tour berichten. Ich freue mich auf das kleine Abenteuer und auf Euch!