Dienstag, 24. August 2010

Der Teufel steckt im Detail

Eines der schlagenden Argumente, die mich zum Kauf meines Rollers bewogen, war die Existenz eines Steckers für mein Navi. Wie auch sollte ich mich sonst noch in diesem Land zurecht finden? Es ist mir unbegreiflich, wie die Pioniere der motorisierten Fortbewegung in - sagen wir mal - den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von A nach B gefunden haben. Wessen Aufwandes es aber bedurfte, das so mit Strom versorgte Navigationsgerät am Cockpit zu befestigen - diese Geschichte erzähle ich Euch nicht.

Stattdessen sei an dieser Stelle exemplarisch auf die historische Entwicklung eingegangen, die die Montage einer Fahrt-Kamera am Roller von der Planung bis zur Realisation nahm. Der geneigte Leser spare bitte nicht mit Bewunderung meiner mentalen Stärke, die mich vor dem Wahnsinn bewahrt hat. (Hat sie das wirklich?)

Vorüberlegungen - Präambel - Präludium - egal: 
Spare ich mir und Euch.

1. Versuch: Nach eingehender Beschäftigung mit der Problematik war ich zu dem Ergebnis gelangt, die Kamera mit einer Schiene an der Schraube zu befestigen, die auf der linken Seite des Rollers den Sturzbügel längs der Verkleidung hält. Am anderen Ende der Schiene sollte dann ein beweglicher Stativkopf die Kamera halten. (An dieser Stelle wäre die grafische Einbindung einer Explosions-Grafik von didaktischem Nutzen.) Es sollte für die Fahrtaufnahmen allerdings nicht meine eigentliche Kamera herhalten, sondern ein Uralt-Modell mit 2 Mega-Pixeln Auflösung, das Petra noch aus alten Kindergartenbeständen vorhielt. Eine erste Testfahrt schien erfolgreich zu verlaufen. Doch wer beschreibt meine Enttäuschung, als ich die Aufnahmen am PC betrachtete, die mich unwillkürlich an jenen kleinen Schritt für einen Menschen und großen für die Menschheit erinnerten - Ihr versteht.

2. Versuch: Nun musste doch meine gute Kamera ran. Doch dafür war die Schiene zu kurz. Das voluminöse Teil passte nicht zwischen Stativkopf und Rollerverkleidung. Also musste eine längere Schiene angeschafft werden. Unnötig zu erwähnen, dass das jedes Mal die Fahrt zum nächstgelegenen Baumarkt in etwa 10 Kilometern Entfernung erforderte. Die zweite Testfahrt war ernüchternd. Bereits nach etwa 200 Metern hing die Kamera in der Senkrechten. Der Hebel war zu groß, die Kamera zu schwer, die Schraube (also nicht meine!) zu locker - wie auch immer. Klassischer Fall von "Geht nicht!" Es sollte sich herausstellen, dass es nicht an der Schraube lag, die zu kurz war, sondern an dem Plastikgewinde, das ja eigentlich nur einen leichten Metallbügel halten sollte. Dieses Gewinde war - sagen wir einmal - völlig ausgelutscht.

Die diversen Zwischenstadien, in denen ich abenteuerliche Konstruktionen entwickelte, um die Schiene im Ernstfall in der Waagerechten zu halten, will ich hier überspringen.

Zwischenstand oder "Fassen wir zusammen": Die Uralt-Kamera war qualitativ unzureichend. Und die Befestigung an der linken Seite des Rollers infolge der langwierigen Testreihen - wie sagte ich? - ausgelutscht. Wat nu?

3. Versuch: Erster Teil der Lösung. Die rechte Seite des Rollers war noch nicht in Anspruch genommen worden. Zweiter Teil der Lösung. Mein Freund in allen Lebenslagen - Hartmut - hatte noch in irgendeiner Schublade eine Kamera, die mit gigantischen 5 Megapixeln bestach. Das Problem: Das Stativgewinde an der Kamera war ganz rechts und das Objektiv ganz links, was zur Folge hatte, dass ich allenfalls Aufnahmen von meinem rechten Fuß machen konnte, aber nicht von der Aussicht nach vorne. (Spätestens an dieser Stelle wäre eine Explosionszeichnung meiner Person aufschlussreich.)

Letzter Versuch: Müßiges Beginnen, Euch zu erklären welche Schraube an welcher Stelle der Rollerverkleidung noch geeignet war, um daran eine Schiene zu montieren, an deren Ende eine Kamera mittels eines alten Stativkopfes ... Kurzum: Es fand sich eine Stelle. Auf zur nächsten Testfahrt! Zurück am PC, starre ich wie die Maus auf die Schlange den Monitor an, klicke auf den Movie-Pfeil und staune nicht schlecht: Die  Kamera hatte doch wahrhaftig den langen Weg des Rollers vom Gehsteig über die Regenrinne bis zur Fahrbahn dokumentiert. Dann brach das Bild zusammen - und danach ich. Die Ursache: Die Kamera meines Freundes Hartmut enthielt eine Chipkarte, die in etwa das Format und das Datenfassungsvermögen jener Steinplatten hatte, die weiland Moses vom Berg herabgeschleppt hatte.

Allerletzter Versuch: Gang zum Media-Markt. Ich bin doch nicht blöd! Dort teilte mir der geduldige Verkäufer, der offenbar begierig war, meine gesamte bisherige Leidensgeschichte zu hören, mit, dass es für dieses Modell inzwischen keine Chipkarten mehr gibt, ich aber einen Adapter erwerben könne, in den man dann einen Chip des 21. Jahrhunderts einfügen kann. Kostenpunkt: 32 Euro. Allein: Ob die Kamera in der Lage sei, den neuen Chip zu erkennen, sei bestenfalls unwahrscheinlich. Flugs hatte er aber eine kleine, kompakte Digitalkamera in der Hand, 12,2 Megapixel - 55 Euro. Was soll ich Euch sagen? Ich habe das Teil gekauft.

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Nun werden die Besucher meines Reiseberichts in den Genuss von mindestens 30 Sekunden spannungsgeladener Fahrtaufnahmen kommen. Da sage noch einer, die Mühe habe sich nicht gelohnt.

Enerviert - Euer girolamo

Nachtrag - Post scriptum - "Zum guten Schluss" - egal: 
Ich hätte Euch gerne ein Detailfoto - nein, nicht vom Teufel - sondern von der Halterungskonstruktion gezeigt. Doch bei der letzten Testfahrt habe ich mir einen Nagel in den Hinterreifen gefahren. Nun wartet der Reifendienst auf den passenden Pneu. Wir alle hoffen, dass das Schiff aus Japan bereits europäische Gewässer erreicht hat.

Soll ich Euch nun noch die Geschichte von der Halterung meines Navis erzählen? Ich lasse es lieber.

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