Sonntag, 5. September 2010

Fazit

Das lernen wir schon in der Schule: Zu jedem guten Aufsatz gehört eine Schlussbetrachtung. Am besten mit einem Blick in die Zukunft. Na denn…

Ich habe auf der Fahrt – die schon Aspekte eines Selbsterfahrungstrips hatte – drei Formen der Unterkunft „getestet“. (Wohlgemerkt: Ich bin kein Gastronomie-Tester!)
Die Jugendherberge:
Die Herberge in Waren war schon klasse. Allerdings habe ich diese Erfahrung auch schon andernorts gemacht. Die Zeiten haben sich da seit zumindest meiner Jugend geändert. Die Betten sind prima. Ein Vierbettzimmer für eine deutsche Normal-Familie ist immer zu bekommen. Ich hatte gar einen Raum für mich alleine. Die Sanitären Einrichtungen sind hygienisch einwandfrei.  Man bekommt ein gutes Frühstück am Buffet. Was will man mehr? Ach ja: Einen Fernsehraum gibt es natürlich auch. Und in Wagen kam sogar noch ein Volleyballplatz dazu.
Allerdings ist das ganze unter dem Strich auch nicht wirklich billig. Ich habe mit Frühstück und Kurtaxe knapp 26 Euro pro Nacht gezahlt. Nimmt man das mal vier für die besagte Familie, so sind pro Übernachtung mit Frühstück 100 Euro fällig. Dafür kriegt man natürlich keine zwei Hotelzimmer, aber eine Ferienwohnung, in der man denn doch etwas mehr für sich ist, allemal.
Die Ferienwohnung:
Damit sind wir bei der Ferienwohnung, die ich in Wesenberg genossen habe. Echt genossen! Eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus mit vier Betten  gbt’s hier für ca. 40 bis 60 Euro am Tag. Das schlägt die Jugendherberge um Längen. Die Wohnung, in der ich übernachtet habe (und es gibt keinen Anlass zu der Annahme, dass die anderen schlechter sind) war eine Granate! Geräumig, sauber und alles drin, was man so braucht. Vom schöne Bad über eine einfache aber komplett eingerichtete Küche bis hin zum Wohnraum mit Fernseher! Dazu kommt, dass die Lage für meinen Geschmack schöner war. Jugendherbergen gibt es in der Regel nur in den größeren Orten bzw. Städten. Ferienwohnungen auch in den kleinsten Orten in Mecklenburg.
Der Campingplatz:
Bevor man sich auf einen Campingplatz begibt, ist eine gründliche Selbstreflexion am Platze. Fakt ist, dass man sonst nirgends der Natur so nahe ist. Ein Frühstück auf Klappstühlen mit Blick auf den See – das hat schon was. Kanuten haben ihr Boot in Sichtweite.
Wer allerdings Ansprüche an Hygiene stellt, wäre zumindest im „Hexenwäldchen“ in Blankenförde fehl am Platz.  Und auch die Übernachtung in einem Zelt ist nichts für alte Männer wie mich. Ein Aus- und Ankleiden in einem Zwei-Personen-Zelt war mir kaum möglich. Allerdings kann man das ja auch in den Duschzellen erledigen. Will sagen: Man muss sich halt auf die Gegebenheiten einstellen.
Vom Preis her ist das Campen natürlich der Schlager: Ich habe für die Nacht 7,50 € gelöhnt. Da kommt sonst keiner mit!

 Der Roller als Vehikel:
… war mit kleinen Einschränkungen klasse. Auf die nun zu nennenden Einschränkungen muss man sich einrichten. Dann macht der Bock Spaß und ist bei einem Verbrauch von etwas mehr als 3 Litern auf 100 km auch extrem günstig.
Aber:
Es muss schon vernünftiges Wetter sein. Im Regen möchte ich nicht 1000 km durch ein nasses Visier linsen und Angst vor jeder Kurve haben.
Lange Strecken auf der Autobahn tue ich mir nicht mehr an. Mit solch einem 250ccm-Maschinchen fühlt man sich da doch ein wenig unterlegen. Vor allem an den Knotenpunkten, wo rasch mal vier Spuren nebeneinander sind, kommt man sich ziemlich klein vor. Hinzu kommt, dass auf einer Autobahn ständig unangenehmer Wind herrscht. Zum einen, weil die Trassen zumeist nicht sehr windgeschützt sind. Zum anderen, weil vorbeirauschende Vans oder vor einem herfahrende LKW Verwirbelungen produzieren, die laufend die Kiste in Vibration versetzen. Das ist Stress – und den kann ich nicht brauchen. Also ab auf die Landstraße – was auch viel schöner und interessanter ist. (Ich berichtete darüber.) Aber man schafft halt nicht mehr als 60 km pro Stunde. Eine 240-km-Etappe benötigt also vier Stunden reine Fahrtzeit. Plus Pause macht schnell sechs Stunden. Dann reicht’s auch! Also: Bei der Routenplanung bedenken: Keine Etappe länger als 250 – besser: 200 Kilometer.
Ich möchte keinem/keiner Beifahrer/in zumuten, das auf dem Rücksitz zu verbringen. Mal abgesehen davon, dass dann mehr Gepäck anfällt und weniger Platz ist. Man sollte schon einen Roller für sich haben.
Wenn man das alles vorher weiß, dann lässt sich eine Tour mit dem Roller durch das schöne – ich meine das ernst:  Deutschland ist wirklich schön, egal ob in Bayern, dem Saarland, im Erzgebirge oder im hohen Norden – also das schöne Deutschland gut machen. Ich werde mich an dieses Abenteuer immer gerne erinnern. Und irgendwann mache ich so was noch mal. Im Moment allerdings bin ich froh, wieder zu Hause zu sein.
Das war mein MacPom-Blog. Den nächsten gibt es, wenn ich einige Tage in Deutschlands erstem (!) Sterbehospiz verbringe. Das wird weniger vergnüglich, aber mindestens genauso spannend. Ich gebe Bescheid, wenn es so weit ist.
Eurer Girolamo  

Freitag, 3. September 2010

Man soll den Tag nicht vor dem Abend verfluchen

Kinder, war das ein Tag. Man soll ja denselben nicht vor dem Abend loben. Mithin vermute ich, dass man ihn auch nicht vor dem Abend verfluchen soll. Das zumindest habe ich heute gelernt. Aber der Reihe nach.
Nachdem gestern die Fahrt zu den Kranich-Nistplätzen ja gründlich in die Hose gegangen ist, ruhten nun alle meine Hoffnungen auf der heutigen Paddeltour in Blankenförde. Naja – von ruhen kann nicht wirklich die Rede sein. Sagen wir: sie lasteten, die Hoffnungen. Denn wenn das nicht geklappt hätte, wäre die Tour endgültig ein Reinfall gewesen. Und so wäre dann das ganze Projekt „girolamo“ in ernsthafte Gefahr geraten. Aber Ihr erkennt mit sicherem Gespür den Konjunktiv und ahnt richtig: es hat letztlich geklappt. Aber es war verdammt knapp.
Die Umgebung ist schön. Aber ich stelle nun fest, dass sie südlich der Müritz schöner ist. Die Müritz selbst hat den Vorteil, ein richtiger See zu sein. Ich glaube, sie ist sogar Deutschlands größter Binnensee – und zwar deswegen, weil der deutsche Teil des Bodensees kleiner ist als die Müritz. Also da kann man drauf segeln und mit kleinen Dampfern Rundfahrten machen. Das zieht Touris. Aber genau das ist das Problem von Waren. Es ist ein richtiger Touristenort. Zwar ist (fast) alles sehr ordentlich restauriert, aber nicht immer geschmackvoll. Aber ich glaube, darüber habe ich im Post „Autobahn verboten“ schon etwas geschrieben.
Also auf gen Blankenförde zum Campingplatz „Hexenwäldchen“. Wieder bin ich einen ziemlichen Umweg gefahren und wieder habe ich das nicht bereut. Es ist einfach schon hier!
Gegen Mittag traf ich im „Hexenwäldchen“ ein. Also der Campingplatz hat was. Begrüßt wurde ich von einer Schar Hühner. Als mich dann von links noch zwei Schweine angrunzten, hätte es mich beinahe vom Sattel geworfen. Aber der Platz ist schön, es ist alles vorhanden, von Waschgelegenheiten bis zu einem Schuppen, indem man kochen und Spülen kann. Und alles ist richtig schön gammelig. Aber das kann einen Beinahe-Altachtundsechziger wie mich nicht erschüttern.
Wer nun auf eine Ausgabe „Mein Kampf mit dem Zeltaufbau“ hofft, den muss ich enttäuschen. Das ist – man glaubt es nicht – sogar für mich kinderleicht. Schade eigentlich.
Aber dann wurde es spannend.  Gut eine Stunde vor dem Termin mit Frau Henning – meiner Paddelboot-Chauffeurin – tat der Himmel seine Schleusen auf. Ich saß gerade in der Koch-Scheune und hatte gottlob mein Netbook dabei. So wurde mit nicht langweilig. Denn auch nur einen Schritt unter dem Dach hervorgehen kam einem Selbstmordversuch gleich. Das hat mich allerdings zunächst gar nicht beunruhigt. Ein Gewitter geht vorbei, dachte ich mir. Doch dann schien der Prasselregen in Dauerregen überzugehen. Das machte mir denn doch arge Sorgen. Als ich mich auf den kurzen Weg zum Bootsverleih machte, tröpfelte es noch. Doch auf meine bange Frage antwortete Frau Henning wohlgemut: „Natürlich fahren wir – warum den nicht?“
Was ich dann auf dem „Jamelsee“ und „Jethensee“ und den Kanälen dazwischen erleben durfte, war mindestens so eindrucksvoll, wie die Ballonfahrt, die ich im vergangenen Sommer mitgemacht habe. Es war nicht so sensationell, aber die Stimmung und die Atmosphäre war schlicht atemberaubend. Das kann nicht einmal ich wirklich beschreiben oder in Fotos einfangen, auch wenn ich mir mit rund 500 Aufnahmen Mühe gegeben habe.
Eine Sensation aber war doch dabei – auch wenn mir das Frau Henning erklären musste. Es ist uns nämlich gelungen, uns einem Seeadler so zu nähern, dass ich – wenn auch mit beschränkten technischen Mitteln nicht ganz sauber – Fotos von ihm machen konnte. Frau Henning meinte – und sie machte mir nicht den Eindruck, Unfug zu reden – wörtlich: „Das gelingt einem nur alle 20 Jahre mal, einen Seeadler so nahe zu kommen. Hier seht ihr das unvollkommene Ergebnis.
So – damit will ich es heute bewenden lassen und bin nun mal gespannt, ob ich den Text abschicken kann.  Das nächste Mal werde ich wohl am Sonntag posten. Das wird dann auch mein letzter Beitrag zu diesem Blog sein. Aber der nächste wartet ja schon. Ich schätze, dass ich im Oktober einige Tage in Deutschlands erstem Hospiz verbringen werde. Ein weiteres „girolamo“-Thema. Aber wie gesagt: Am Sonntag bringe ich noch ein paar abschließende Gedanken zu Papier – äh – zum Bildschirm.

Mittwoch, 1. September 2010

Heute mal nicht ganz so fröhlich

Der Tag ist nicht gut gelaufen. So was kommt vor und ist kein Grund, sich hinter den Zug zu schmeißen.
Schon der Morgen begann mit einem Schock: der Blick aus dem Fenster. Der Himmel war dunkelgrau und es nieselte. Doch wie durch ein Wunder klarte es sich binnen einer Stunde auf. Das war während meines zweiten Kaffees.
Und also habe ich mich auf meinen Roller gesetzt und bin einfach drauflos gefahren. Immer den braunen Schildern nach. Das ist keine (!) politische Richtung. Vielmehr sind die Schilder, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen, braun mit weißer Schrift. Ein Hinweis führte mich direkt in die Pampas. Dann brachen die Hinweise ab. Dafür aber bin ich auf eine schöne, weil halb verfallene Kirche gestoßen, die dann Opfer meiner Fotografierwut wurde.
Dann folgte ich den Hinweisen zu einem Wisent-Reservat. Das war sehr eindrucksvoll. Ich glaube es waren ihrer fünfe, die in Tele-Entfernung in der Sonne dösten. Der weitere Weg zu Rot- und Dammwild war versperrt, Akute Hornissen-Warnung. So lief man also Gefahr, zwar nicht von einer Wisentherde niedergetrampelt, wohl aber von einer Horde Hornissen gemordet zu werden. Das Leben steckt doch voller unerwartete Gefahren.
Den Nachmittag habe ich mit der Vorfreude auf die Busfahrt zu den Kranich-Nistplätzen verbracht. Und da die bekanntlich die schönste ist, blieb es auch dabei.  Um es kurz zu machen: Ich habe die Haltestelle nicht rechtzeitig gefunden. Dumm gelaufen – also ich, nämlich in die falsche Richtung.
Danach habe ich ein wenig mit Petra telefoniert und gemailt. Aufmunterung ihrerseits und Frust-Kontrolle meinerseits.
Das Wichtigste zum Schluss: Die Paddeltour morgen durch halb MacPom klappt! Davon werde ich dann hoffentlich begeistert berichten. Außerdem habe ich morgen im Angebot: Mein Kampf mit den Unbilden des Zelt-Aufbauens. Bin mal gespannt.
Was man in meinem Alter doch so alles anstellt. Je oller – je doller!

P.s.: Zum Foto des Tages: Noch so eine Gefahr, die im Wisentreservat lauerte. (Gestern wurde mir die Option "Bildzeile" angeboten. Heute nicht. Eben ein Sch...-Tag.)

Dienstag, 31. August 2010

Autobahn verboten

Viele Wege führen nach Rom

Da inzwischen schon die Askese vierwöchiger Internet- und Handy-Abstinenz als Thema für einen Bestseller ausreicht (Titel: „Ich bin dann mal off“), wird auch dies überraschen:  Es gibt eine Fortbewegung abseits der Autobahnen! Diese Erfahrung durfte ich heute machen – und sie war nicht einmal schmerzlich. Um 7:15 Uhr war Aufsitzen. Als ich Hamburg via Autobahn passiert hatte, hatte ich genug vom Highway. „to hell“ war er zwar nicht, aber die Turbulenzen, wenn ein LKW mich entweder überholte oder vor mir her fuhr, wurden mir schlicht zu viel.
Also bin ich bei Witzhave runter und habe dort meinem Navi die Option „Autobahn verbieten!“ eingetippt. Aus „Ankunftszeit 12:25“ wurde „14:35“ – egal. Letztlich wurde 16:45 daraus. Mein Problem: Ich musste ständig anhalten, um Fotos zu machen. Naja – und dann musste zwischendurch auch mal im Wechsel etwas für den Magen, die Lunge und die Blase getan werden. 
Aber es hat sich gelohnt. Man sollte sich viel häufiger die Zeit nehmen, über Land zu fahren. Kohl hatte doch recht: Es sind blühende Landschaften im Osten – auch wenn er es mit Blick auf seine Sicht der Dinge vermutlich bildlich und damit profaner gemeint hat. Mag Sarazin befürchten, dass Deutschland sich abschafft – die Landschaft wird sich über derartige Kleingeistigkeiten hinwegsetzen und bleiben. Manchmal genügt ein Blick über den Mahagony-Schreibtischrand, um die Dinge in einem anderen Rahmen zu sehen. Aber es ist ja zu hoffen, dass er diesen Schreibtisch bald nicht mehr haben wird.
Mit jedenfalls hat die Tour Lust auf mehr von Mecklenburg-Vorpommern gemacht. Apropos „Lust“: Ludwigslust mit seinem Barockschloss (vermutlich von irgendeinem der königlichen Ludwige) hätte ich mir gerne näher angeschaut. Aber der Roller – der rollt. Sogar durch Rom ist er gerollt, wie das Foto des Tages zeigt.
Pünktlich zur vom Navi nach jeder Foto-Pause korrigierten Ankunftsprognose traf ich in Waren – genauer an der hiesigen Jugendherberge ein. Die ist so frisch getüncht wie der ganze Ort. In Bezug auf die Herberge ist es mir sehr recht – in Bezug auf Waren nicht so. Es ist ein typischer Ferienort, der offenkundig Kohls Vision gefolgt ist. Auch wenn ich nicht weiß, wie er vorher ausgesehen hat, vermute ich, dass die neue Politur zu seinem Vorteil ist. Aber es fehlt halt die Patina.
Mir soll’s wurscht sein. Mich interessiert die Landschaft. Und der werde ich mich morgen widmen. Jetzt sitze ich in einem Kaffee gegenüber der Jugendherberge und stelle eine gewisse Müdigkeit fest. Daher will ich jetzt mal sehen, ob der Fernsehraum funktioniert. Bis morgen also…    

Sonntag, 29. August 2010

Die Tour beginnt einen Tag später

Nur eine Kurzmeldung: Ich fahre einen Tag später los. Das Wetter scheint erst am Dienstag langsam "rollergeeignet" zu werden. Ich bin ja zu Opfern bereit, aber den halben Tag durch den Regen fahren - das wäre für einen alten Mann wie mich doch nicht zumutbar. Meine Entscheidung erleichterte der Umstand, dass Sohn Max am 30.08. seinen 17. Geburtstag hat und wir den am Abend noch gemeinsam feiern wollen. Also: Der erste Reisetagesbericht erscheint am Dienstag-Abend. Vermutlich erst spät am Abend, da ich bis 21:00 Uhr mit der Kamera auf Kranich-Jagd sein werde. Bis dann also!

Dienstag, 24. August 2010

Der Teufel steckt im Detail

Eines der schlagenden Argumente, die mich zum Kauf meines Rollers bewogen, war die Existenz eines Steckers für mein Navi. Wie auch sollte ich mich sonst noch in diesem Land zurecht finden? Es ist mir unbegreiflich, wie die Pioniere der motorisierten Fortbewegung in - sagen wir mal - den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von A nach B gefunden haben. Wessen Aufwandes es aber bedurfte, das so mit Strom versorgte Navigationsgerät am Cockpit zu befestigen - diese Geschichte erzähle ich Euch nicht.

Stattdessen sei an dieser Stelle exemplarisch auf die historische Entwicklung eingegangen, die die Montage einer Fahrt-Kamera am Roller von der Planung bis zur Realisation nahm. Der geneigte Leser spare bitte nicht mit Bewunderung meiner mentalen Stärke, die mich vor dem Wahnsinn bewahrt hat. (Hat sie das wirklich?)

Vorüberlegungen - Präambel - Präludium - egal: 
Spare ich mir und Euch.

1. Versuch: Nach eingehender Beschäftigung mit der Problematik war ich zu dem Ergebnis gelangt, die Kamera mit einer Schiene an der Schraube zu befestigen, die auf der linken Seite des Rollers den Sturzbügel längs der Verkleidung hält. Am anderen Ende der Schiene sollte dann ein beweglicher Stativkopf die Kamera halten. (An dieser Stelle wäre die grafische Einbindung einer Explosions-Grafik von didaktischem Nutzen.) Es sollte für die Fahrtaufnahmen allerdings nicht meine eigentliche Kamera herhalten, sondern ein Uralt-Modell mit 2 Mega-Pixeln Auflösung, das Petra noch aus alten Kindergartenbeständen vorhielt. Eine erste Testfahrt schien erfolgreich zu verlaufen. Doch wer beschreibt meine Enttäuschung, als ich die Aufnahmen am PC betrachtete, die mich unwillkürlich an jenen kleinen Schritt für einen Menschen und großen für die Menschheit erinnerten - Ihr versteht.

2. Versuch: Nun musste doch meine gute Kamera ran. Doch dafür war die Schiene zu kurz. Das voluminöse Teil passte nicht zwischen Stativkopf und Rollerverkleidung. Also musste eine längere Schiene angeschafft werden. Unnötig zu erwähnen, dass das jedes Mal die Fahrt zum nächstgelegenen Baumarkt in etwa 10 Kilometern Entfernung erforderte. Die zweite Testfahrt war ernüchternd. Bereits nach etwa 200 Metern hing die Kamera in der Senkrechten. Der Hebel war zu groß, die Kamera zu schwer, die Schraube (also nicht meine!) zu locker - wie auch immer. Klassischer Fall von "Geht nicht!" Es sollte sich herausstellen, dass es nicht an der Schraube lag, die zu kurz war, sondern an dem Plastikgewinde, das ja eigentlich nur einen leichten Metallbügel halten sollte. Dieses Gewinde war - sagen wir einmal - völlig ausgelutscht.

Die diversen Zwischenstadien, in denen ich abenteuerliche Konstruktionen entwickelte, um die Schiene im Ernstfall in der Waagerechten zu halten, will ich hier überspringen.

Zwischenstand oder "Fassen wir zusammen": Die Uralt-Kamera war qualitativ unzureichend. Und die Befestigung an der linken Seite des Rollers infolge der langwierigen Testreihen - wie sagte ich? - ausgelutscht. Wat nu?

3. Versuch: Erster Teil der Lösung. Die rechte Seite des Rollers war noch nicht in Anspruch genommen worden. Zweiter Teil der Lösung. Mein Freund in allen Lebenslagen - Hartmut - hatte noch in irgendeiner Schublade eine Kamera, die mit gigantischen 5 Megapixeln bestach. Das Problem: Das Stativgewinde an der Kamera war ganz rechts und das Objektiv ganz links, was zur Folge hatte, dass ich allenfalls Aufnahmen von meinem rechten Fuß machen konnte, aber nicht von der Aussicht nach vorne. (Spätestens an dieser Stelle wäre eine Explosionszeichnung meiner Person aufschlussreich.)

Letzter Versuch: Müßiges Beginnen, Euch zu erklären welche Schraube an welcher Stelle der Rollerverkleidung noch geeignet war, um daran eine Schiene zu montieren, an deren Ende eine Kamera mittels eines alten Stativkopfes ... Kurzum: Es fand sich eine Stelle. Auf zur nächsten Testfahrt! Zurück am PC, starre ich wie die Maus auf die Schlange den Monitor an, klicke auf den Movie-Pfeil und staune nicht schlecht: Die  Kamera hatte doch wahrhaftig den langen Weg des Rollers vom Gehsteig über die Regenrinne bis zur Fahrbahn dokumentiert. Dann brach das Bild zusammen - und danach ich. Die Ursache: Die Kamera meines Freundes Hartmut enthielt eine Chipkarte, die in etwa das Format und das Datenfassungsvermögen jener Steinplatten hatte, die weiland Moses vom Berg herabgeschleppt hatte.

Allerletzter Versuch: Gang zum Media-Markt. Ich bin doch nicht blöd! Dort teilte mir der geduldige Verkäufer, der offenbar begierig war, meine gesamte bisherige Leidensgeschichte zu hören, mit, dass es für dieses Modell inzwischen keine Chipkarten mehr gibt, ich aber einen Adapter erwerben könne, in den man dann einen Chip des 21. Jahrhunderts einfügen kann. Kostenpunkt: 32 Euro. Allein: Ob die Kamera in der Lage sei, den neuen Chip zu erkennen, sei bestenfalls unwahrscheinlich. Flugs hatte er aber eine kleine, kompakte Digitalkamera in der Hand, 12,2 Megapixel - 55 Euro. Was soll ich Euch sagen? Ich habe das Teil gekauft.

--------

Nun werden die Besucher meines Reiseberichts in den Genuss von mindestens 30 Sekunden spannungsgeladener Fahrtaufnahmen kommen. Da sage noch einer, die Mühe habe sich nicht gelohnt.

Enerviert - Euer girolamo

Nachtrag - Post scriptum - "Zum guten Schluss" - egal: 
Ich hätte Euch gerne ein Detailfoto - nein, nicht vom Teufel - sondern von der Halterungskonstruktion gezeigt. Doch bei der letzten Testfahrt habe ich mir einen Nagel in den Hinterreifen gefahren. Nun wartet der Reifendienst auf den passenden Pneu. Wir alle hoffen, dass das Schiff aus Japan bereits europäische Gewässer erreicht hat.

Soll ich Euch nun noch die Geschichte von der Halterung meines Navis erzählen? Ich lasse es lieber.

Sonntag, 8. August 2010

Auf ein Neues!

Die Idee "girolamo" trage ich schon einige Jahre mit mir herum. Ich war auch schon ganz nah' dran, doch bei der Recherche zu meiner zweiten Story (Mit dem Kanu durch das Oldenburger Land) bin ich mit meiner Kamera im Wortsinne "abgesoffen". Ich habe es überlebt - meine Kamera nicht. Und damit schien "girolamo" auch gestorben zu sein. Jetzt aber unternehme ich einen neuen Anlauf. Mit kleinerer aber vielseitigerer Kamera, neuer PC-Technik und neuem Mut. Den brauche ich auch, denn in Kürze geht es mit meinem Roller los in Richtung Mecklenburgische Seenplatte. Dabei habe ich nur ein Zelt und die nötige Technik, also auch ein via UMTS am Web hängenden Netbook. So werde ich ab dem 30. August täglich über meine Tour berichten. Ich freue mich auf das kleine Abenteuer und auf Euch!