Sonntag, 5. September 2010

Fazit

Das lernen wir schon in der Schule: Zu jedem guten Aufsatz gehört eine Schlussbetrachtung. Am besten mit einem Blick in die Zukunft. Na denn…

Ich habe auf der Fahrt – die schon Aspekte eines Selbsterfahrungstrips hatte – drei Formen der Unterkunft „getestet“. (Wohlgemerkt: Ich bin kein Gastronomie-Tester!)
Die Jugendherberge:
Die Herberge in Waren war schon klasse. Allerdings habe ich diese Erfahrung auch schon andernorts gemacht. Die Zeiten haben sich da seit zumindest meiner Jugend geändert. Die Betten sind prima. Ein Vierbettzimmer für eine deutsche Normal-Familie ist immer zu bekommen. Ich hatte gar einen Raum für mich alleine. Die Sanitären Einrichtungen sind hygienisch einwandfrei.  Man bekommt ein gutes Frühstück am Buffet. Was will man mehr? Ach ja: Einen Fernsehraum gibt es natürlich auch. Und in Wagen kam sogar noch ein Volleyballplatz dazu.
Allerdings ist das ganze unter dem Strich auch nicht wirklich billig. Ich habe mit Frühstück und Kurtaxe knapp 26 Euro pro Nacht gezahlt. Nimmt man das mal vier für die besagte Familie, so sind pro Übernachtung mit Frühstück 100 Euro fällig. Dafür kriegt man natürlich keine zwei Hotelzimmer, aber eine Ferienwohnung, in der man denn doch etwas mehr für sich ist, allemal.
Die Ferienwohnung:
Damit sind wir bei der Ferienwohnung, die ich in Wesenberg genossen habe. Echt genossen! Eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus mit vier Betten  gbt’s hier für ca. 40 bis 60 Euro am Tag. Das schlägt die Jugendherberge um Längen. Die Wohnung, in der ich übernachtet habe (und es gibt keinen Anlass zu der Annahme, dass die anderen schlechter sind) war eine Granate! Geräumig, sauber und alles drin, was man so braucht. Vom schöne Bad über eine einfache aber komplett eingerichtete Küche bis hin zum Wohnraum mit Fernseher! Dazu kommt, dass die Lage für meinen Geschmack schöner war. Jugendherbergen gibt es in der Regel nur in den größeren Orten bzw. Städten. Ferienwohnungen auch in den kleinsten Orten in Mecklenburg.
Der Campingplatz:
Bevor man sich auf einen Campingplatz begibt, ist eine gründliche Selbstreflexion am Platze. Fakt ist, dass man sonst nirgends der Natur so nahe ist. Ein Frühstück auf Klappstühlen mit Blick auf den See – das hat schon was. Kanuten haben ihr Boot in Sichtweite.
Wer allerdings Ansprüche an Hygiene stellt, wäre zumindest im „Hexenwäldchen“ in Blankenförde fehl am Platz.  Und auch die Übernachtung in einem Zelt ist nichts für alte Männer wie mich. Ein Aus- und Ankleiden in einem Zwei-Personen-Zelt war mir kaum möglich. Allerdings kann man das ja auch in den Duschzellen erledigen. Will sagen: Man muss sich halt auf die Gegebenheiten einstellen.
Vom Preis her ist das Campen natürlich der Schlager: Ich habe für die Nacht 7,50 € gelöhnt. Da kommt sonst keiner mit!

 Der Roller als Vehikel:
… war mit kleinen Einschränkungen klasse. Auf die nun zu nennenden Einschränkungen muss man sich einrichten. Dann macht der Bock Spaß und ist bei einem Verbrauch von etwas mehr als 3 Litern auf 100 km auch extrem günstig.
Aber:
Es muss schon vernünftiges Wetter sein. Im Regen möchte ich nicht 1000 km durch ein nasses Visier linsen und Angst vor jeder Kurve haben.
Lange Strecken auf der Autobahn tue ich mir nicht mehr an. Mit solch einem 250ccm-Maschinchen fühlt man sich da doch ein wenig unterlegen. Vor allem an den Knotenpunkten, wo rasch mal vier Spuren nebeneinander sind, kommt man sich ziemlich klein vor. Hinzu kommt, dass auf einer Autobahn ständig unangenehmer Wind herrscht. Zum einen, weil die Trassen zumeist nicht sehr windgeschützt sind. Zum anderen, weil vorbeirauschende Vans oder vor einem herfahrende LKW Verwirbelungen produzieren, die laufend die Kiste in Vibration versetzen. Das ist Stress – und den kann ich nicht brauchen. Also ab auf die Landstraße – was auch viel schöner und interessanter ist. (Ich berichtete darüber.) Aber man schafft halt nicht mehr als 60 km pro Stunde. Eine 240-km-Etappe benötigt also vier Stunden reine Fahrtzeit. Plus Pause macht schnell sechs Stunden. Dann reicht’s auch! Also: Bei der Routenplanung bedenken: Keine Etappe länger als 250 – besser: 200 Kilometer.
Ich möchte keinem/keiner Beifahrer/in zumuten, das auf dem Rücksitz zu verbringen. Mal abgesehen davon, dass dann mehr Gepäck anfällt und weniger Platz ist. Man sollte schon einen Roller für sich haben.
Wenn man das alles vorher weiß, dann lässt sich eine Tour mit dem Roller durch das schöne – ich meine das ernst:  Deutschland ist wirklich schön, egal ob in Bayern, dem Saarland, im Erzgebirge oder im hohen Norden – also das schöne Deutschland gut machen. Ich werde mich an dieses Abenteuer immer gerne erinnern. Und irgendwann mache ich so was noch mal. Im Moment allerdings bin ich froh, wieder zu Hause zu sein.
Das war mein MacPom-Blog. Den nächsten gibt es, wenn ich einige Tage in Deutschlands erstem (!) Sterbehospiz verbringe. Das wird weniger vergnüglich, aber mindestens genauso spannend. Ich gebe Bescheid, wenn es so weit ist.
Eurer Girolamo  

Freitag, 3. September 2010

Man soll den Tag nicht vor dem Abend verfluchen

Kinder, war das ein Tag. Man soll ja denselben nicht vor dem Abend loben. Mithin vermute ich, dass man ihn auch nicht vor dem Abend verfluchen soll. Das zumindest habe ich heute gelernt. Aber der Reihe nach.
Nachdem gestern die Fahrt zu den Kranich-Nistplätzen ja gründlich in die Hose gegangen ist, ruhten nun alle meine Hoffnungen auf der heutigen Paddeltour in Blankenförde. Naja – von ruhen kann nicht wirklich die Rede sein. Sagen wir: sie lasteten, die Hoffnungen. Denn wenn das nicht geklappt hätte, wäre die Tour endgültig ein Reinfall gewesen. Und so wäre dann das ganze Projekt „girolamo“ in ernsthafte Gefahr geraten. Aber Ihr erkennt mit sicherem Gespür den Konjunktiv und ahnt richtig: es hat letztlich geklappt. Aber es war verdammt knapp.
Die Umgebung ist schön. Aber ich stelle nun fest, dass sie südlich der Müritz schöner ist. Die Müritz selbst hat den Vorteil, ein richtiger See zu sein. Ich glaube, sie ist sogar Deutschlands größter Binnensee – und zwar deswegen, weil der deutsche Teil des Bodensees kleiner ist als die Müritz. Also da kann man drauf segeln und mit kleinen Dampfern Rundfahrten machen. Das zieht Touris. Aber genau das ist das Problem von Waren. Es ist ein richtiger Touristenort. Zwar ist (fast) alles sehr ordentlich restauriert, aber nicht immer geschmackvoll. Aber ich glaube, darüber habe ich im Post „Autobahn verboten“ schon etwas geschrieben.
Also auf gen Blankenförde zum Campingplatz „Hexenwäldchen“. Wieder bin ich einen ziemlichen Umweg gefahren und wieder habe ich das nicht bereut. Es ist einfach schon hier!
Gegen Mittag traf ich im „Hexenwäldchen“ ein. Also der Campingplatz hat was. Begrüßt wurde ich von einer Schar Hühner. Als mich dann von links noch zwei Schweine angrunzten, hätte es mich beinahe vom Sattel geworfen. Aber der Platz ist schön, es ist alles vorhanden, von Waschgelegenheiten bis zu einem Schuppen, indem man kochen und Spülen kann. Und alles ist richtig schön gammelig. Aber das kann einen Beinahe-Altachtundsechziger wie mich nicht erschüttern.
Wer nun auf eine Ausgabe „Mein Kampf mit dem Zeltaufbau“ hofft, den muss ich enttäuschen. Das ist – man glaubt es nicht – sogar für mich kinderleicht. Schade eigentlich.
Aber dann wurde es spannend.  Gut eine Stunde vor dem Termin mit Frau Henning – meiner Paddelboot-Chauffeurin – tat der Himmel seine Schleusen auf. Ich saß gerade in der Koch-Scheune und hatte gottlob mein Netbook dabei. So wurde mit nicht langweilig. Denn auch nur einen Schritt unter dem Dach hervorgehen kam einem Selbstmordversuch gleich. Das hat mich allerdings zunächst gar nicht beunruhigt. Ein Gewitter geht vorbei, dachte ich mir. Doch dann schien der Prasselregen in Dauerregen überzugehen. Das machte mir denn doch arge Sorgen. Als ich mich auf den kurzen Weg zum Bootsverleih machte, tröpfelte es noch. Doch auf meine bange Frage antwortete Frau Henning wohlgemut: „Natürlich fahren wir – warum den nicht?“
Was ich dann auf dem „Jamelsee“ und „Jethensee“ und den Kanälen dazwischen erleben durfte, war mindestens so eindrucksvoll, wie die Ballonfahrt, die ich im vergangenen Sommer mitgemacht habe. Es war nicht so sensationell, aber die Stimmung und die Atmosphäre war schlicht atemberaubend. Das kann nicht einmal ich wirklich beschreiben oder in Fotos einfangen, auch wenn ich mir mit rund 500 Aufnahmen Mühe gegeben habe.
Eine Sensation aber war doch dabei – auch wenn mir das Frau Henning erklären musste. Es ist uns nämlich gelungen, uns einem Seeadler so zu nähern, dass ich – wenn auch mit beschränkten technischen Mitteln nicht ganz sauber – Fotos von ihm machen konnte. Frau Henning meinte – und sie machte mir nicht den Eindruck, Unfug zu reden – wörtlich: „Das gelingt einem nur alle 20 Jahre mal, einen Seeadler so nahe zu kommen. Hier seht ihr das unvollkommene Ergebnis.
So – damit will ich es heute bewenden lassen und bin nun mal gespannt, ob ich den Text abschicken kann.  Das nächste Mal werde ich wohl am Sonntag posten. Das wird dann auch mein letzter Beitrag zu diesem Blog sein. Aber der nächste wartet ja schon. Ich schätze, dass ich im Oktober einige Tage in Deutschlands erstem Hospiz verbringen werde. Ein weiteres „girolamo“-Thema. Aber wie gesagt: Am Sonntag bringe ich noch ein paar abschließende Gedanken zu Papier – äh – zum Bildschirm.

Mittwoch, 1. September 2010

Heute mal nicht ganz so fröhlich

Der Tag ist nicht gut gelaufen. So was kommt vor und ist kein Grund, sich hinter den Zug zu schmeißen.
Schon der Morgen begann mit einem Schock: der Blick aus dem Fenster. Der Himmel war dunkelgrau und es nieselte. Doch wie durch ein Wunder klarte es sich binnen einer Stunde auf. Das war während meines zweiten Kaffees.
Und also habe ich mich auf meinen Roller gesetzt und bin einfach drauflos gefahren. Immer den braunen Schildern nach. Das ist keine (!) politische Richtung. Vielmehr sind die Schilder, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen, braun mit weißer Schrift. Ein Hinweis führte mich direkt in die Pampas. Dann brachen die Hinweise ab. Dafür aber bin ich auf eine schöne, weil halb verfallene Kirche gestoßen, die dann Opfer meiner Fotografierwut wurde.
Dann folgte ich den Hinweisen zu einem Wisent-Reservat. Das war sehr eindrucksvoll. Ich glaube es waren ihrer fünfe, die in Tele-Entfernung in der Sonne dösten. Der weitere Weg zu Rot- und Dammwild war versperrt, Akute Hornissen-Warnung. So lief man also Gefahr, zwar nicht von einer Wisentherde niedergetrampelt, wohl aber von einer Horde Hornissen gemordet zu werden. Das Leben steckt doch voller unerwartete Gefahren.
Den Nachmittag habe ich mit der Vorfreude auf die Busfahrt zu den Kranich-Nistplätzen verbracht. Und da die bekanntlich die schönste ist, blieb es auch dabei.  Um es kurz zu machen: Ich habe die Haltestelle nicht rechtzeitig gefunden. Dumm gelaufen – also ich, nämlich in die falsche Richtung.
Danach habe ich ein wenig mit Petra telefoniert und gemailt. Aufmunterung ihrerseits und Frust-Kontrolle meinerseits.
Das Wichtigste zum Schluss: Die Paddeltour morgen durch halb MacPom klappt! Davon werde ich dann hoffentlich begeistert berichten. Außerdem habe ich morgen im Angebot: Mein Kampf mit den Unbilden des Zelt-Aufbauens. Bin mal gespannt.
Was man in meinem Alter doch so alles anstellt. Je oller – je doller!

P.s.: Zum Foto des Tages: Noch so eine Gefahr, die im Wisentreservat lauerte. (Gestern wurde mir die Option "Bildzeile" angeboten. Heute nicht. Eben ein Sch...-Tag.)