| Viele Wege führen nach Rom |
Da inzwischen schon die Askese vierwöchiger Internet- und Handy-Abstinenz als Thema für einen Bestseller ausreicht (Titel: „Ich bin dann mal off“), wird auch dies überraschen: Es gibt eine Fortbewegung abseits der Autobahnen! Diese Erfahrung durfte ich heute machen – und sie war nicht einmal schmerzlich. Um 7:15 Uhr war Aufsitzen. Als ich Hamburg via Autobahn passiert hatte, hatte ich genug vom Highway. „to hell“ war er zwar nicht, aber die Turbulenzen, wenn ein LKW mich entweder überholte oder vor mir her fuhr, wurden mir schlicht zu viel.
Also bin ich bei Witzhave runter und habe dort meinem Navi die Option „Autobahn verbieten!“ eingetippt. Aus „Ankunftszeit 12:25“ wurde „14:35“ – egal. Letztlich wurde 16:45 daraus. Mein Problem: Ich musste ständig anhalten, um Fotos zu machen. Naja – und dann musste zwischendurch auch mal im Wechsel etwas für den Magen, die Lunge und die Blase getan werden.
Aber es hat sich gelohnt. Man sollte sich viel häufiger die Zeit nehmen, über Land zu fahren. Kohl hatte doch recht: Es sind blühende Landschaften im Osten – auch wenn er es mit Blick auf seine Sicht der Dinge vermutlich bildlich und damit profaner gemeint hat. Mag Sarazin befürchten, dass Deutschland sich abschafft – die Landschaft wird sich über derartige Kleingeistigkeiten hinwegsetzen und bleiben. Manchmal genügt ein Blick über den Mahagony-Schreibtischrand, um die Dinge in einem anderen Rahmen zu sehen. Aber es ist ja zu hoffen, dass er diesen Schreibtisch bald nicht mehr haben wird.
Mit jedenfalls hat die Tour Lust auf mehr von Mecklenburg-Vorpommern gemacht. Apropos „Lust“: Ludwigslust mit seinem Barockschloss (vermutlich von irgendeinem der königlichen Ludwige) hätte ich mir gerne näher angeschaut. Aber der Roller – der rollt. Sogar durch Rom ist er gerollt, wie das Foto des Tages zeigt.
Pünktlich zur vom Navi nach jeder Foto-Pause korrigierten Ankunftsprognose traf ich in Waren – genauer an der hiesigen Jugendherberge ein. Die ist so frisch getüncht wie der ganze Ort. In Bezug auf die Herberge ist es mir sehr recht – in Bezug auf Waren nicht so. Es ist ein typischer Ferienort, der offenkundig Kohls Vision gefolgt ist. Auch wenn ich nicht weiß, wie er vorher ausgesehen hat, vermute ich, dass die neue Politur zu seinem Vorteil ist. Aber es fehlt halt die Patina.
Mir soll’s wurscht sein. Mich interessiert die Landschaft. Und der werde ich mich morgen widmen. Jetzt sitze ich in einem Kaffee gegenüber der Jugendherberge und stelle eine gewisse Müdigkeit fest. Daher will ich jetzt mal sehen, ob der Fernsehraum funktioniert. Bis morgen also…
Hallo Albert,
AntwortenLöschenich bin gespannt auf Deine Kranich-Fotos. Klasse, dass Du die Autobahnen meidest - so wird es eine richtige Story. Fahr vorsichtig bei diesem elenden Regen.
Gruß Maik