Kinder, war das ein Tag. Man soll ja denselben nicht vor dem Abend loben. Mithin vermute ich, dass man ihn auch nicht vor dem Abend verfluchen soll. Das zumindest habe ich heute gelernt. Aber der Reihe nach.
Nachdem gestern die Fahrt zu den Kranich-Nistplätzen ja gründlich in die Hose gegangen ist, ruhten nun alle meine Hoffnungen auf der heutigen Paddeltour in Blankenförde. Naja – von ruhen kann nicht wirklich die Rede sein. Sagen wir: sie lasteten, die Hoffnungen. Denn wenn das nicht geklappt hätte, wäre die Tour endgültig ein Reinfall gewesen. Und so wäre dann das ganze Projekt „girolamo“ in ernsthafte Gefahr geraten. Aber Ihr erkennt mit sicherem Gespür den Konjunktiv und ahnt richtig: es hat letztlich geklappt. Aber es war verdammt knapp.
Die Umgebung ist schön. Aber ich stelle nun fest, dass sie südlich der Müritz schöner ist. Die Müritz selbst hat den Vorteil, ein richtiger See zu sein. Ich glaube, sie ist sogar Deutschlands größter Binnensee – und zwar deswegen, weil der deutsche Teil des Bodensees kleiner ist als die Müritz. Also da kann man drauf segeln und mit kleinen Dampfern Rundfahrten machen. Das zieht Touris. Aber genau das ist das Problem von Waren. Es ist ein richtiger Touristenort. Zwar ist (fast) alles sehr ordentlich restauriert, aber nicht immer geschmackvoll. Aber ich glaube, darüber habe ich im Post „Autobahn verboten“ schon etwas geschrieben.
Also auf gen Blankenförde zum Campingplatz „Hexenwäldchen“. Wieder bin ich einen ziemlichen Umweg gefahren und wieder habe ich das nicht bereut. Es ist einfach schon hier!
Gegen Mittag traf ich im „Hexenwäldchen“ ein. Also der Campingplatz hat was. Begrüßt wurde ich von einer Schar Hühner. Als mich dann von links noch zwei Schweine angrunzten, hätte es mich beinahe vom Sattel geworfen. Aber der Platz ist schön, es ist alles vorhanden, von Waschgelegenheiten bis zu einem Schuppen, indem man kochen und Spülen kann. Und alles ist richtig schön gammelig. Aber das kann einen Beinahe-Altachtundsechziger wie mich nicht erschüttern.
Wer nun auf eine Ausgabe „Mein Kampf mit dem Zeltaufbau“ hofft, den muss ich enttäuschen. Das ist – man glaubt es nicht – sogar für mich kinderleicht. Schade eigentlich.
Aber dann wurde es spannend. Gut eine Stunde vor dem Termin mit Frau Henning – meiner Paddelboot-Chauffeurin – tat der Himmel seine Schleusen auf. Ich saß gerade in der Koch-Scheune und hatte gottlob mein Netbook dabei. So wurde mit nicht langweilig. Denn auch nur einen Schritt unter dem Dach hervorgehen kam einem Selbstmordversuch gleich. Das hat mich allerdings zunächst gar nicht beunruhigt. Ein Gewitter geht vorbei, dachte ich mir. Doch dann schien der Prasselregen in Dauerregen überzugehen. Das machte mir denn doch arge Sorgen. Als ich mich auf den kurzen Weg zum Bootsverleih machte, tröpfelte es noch. Doch auf meine bange Frage antwortete Frau Henning wohlgemut: „Natürlich fahren wir – warum den nicht?“
Was ich dann auf dem „Jamelsee“ und „Jethensee“ und den Kanälen dazwischen erleben durfte, war mindestens so eindrucksvoll, wie die Ballonfahrt, die ich im vergangenen Sommer mitgemacht habe. Es war nicht so sensationell, aber die Stimmung und die Atmosphäre war schlicht atemberaubend. Das kann nicht einmal ich wirklich beschreiben oder in Fotos einfangen, auch wenn ich mir mit rund 500 Aufnahmen Mühe gegeben habe.
Eine Sensation aber war doch dabei – auch wenn mir das Frau Henning erklären musste. Es ist uns nämlich gelungen, uns einem Seeadler so zu nähern, dass ich – wenn auch mit beschränkten technischen Mitteln nicht ganz sauber – Fotos von ihm machen konnte. Frau Henning meinte – und sie machte mir nicht den Eindruck, Unfug zu reden – wörtlich: „Das gelingt einem nur alle 20 Jahre mal, einen Seeadler so nahe zu kommen. Hier seht ihr das unvollkommene Ergebnis.
So – damit will ich es heute bewenden lassen und bin nun mal gespannt, ob ich den Text abschicken kann. Das nächste Mal werde ich wohl am Sonntag posten. Das wird dann auch mein letzter Beitrag zu diesem Blog sein. Aber der nächste wartet ja schon. Ich schätze, dass ich im Oktober einige Tage in Deutschlands erstem Hospiz verbringen werde. Ein weiteres „girolamo“-Thema. Aber wie gesagt: Am Sonntag bringe ich noch ein paar abschließende Gedanken zu Papier – äh – zum Bildschirm.

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